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Figur mit magnetischer Anziehungskraft
Schriftstellerin Alissa Walser berichtet in Gauting über die Entstehung ihres ersten Romans

Gauting •
Sie sei der Figur des berühmten Arztes Franz Anton Mesmer, der im 18. Jahrhundert mit seiner „magnetischen Methode von sich reden machte, in ihrem Leben mehrmals begegnet, erzählt die Schriftstellerin Alissa Walser in der Gautinger Buchhandlung Kirchheim, während ihrer Lesung aus „Am Anfang war die Nacht Musik". Es ist der erste Roman der Autorin, Übersetzerin und Malerin, bisher hatte sie ausschließlich Kurzprosa veröffentlicht. Nach Gauting war die eher scheu wirkende Alissa Walser mit ihrer Lektorin gereist, um die vom Publikum gerade hier besonders geschätzte Diskussion mit einer ihr bekannten Gesprächspartnerin führen zu können.
So erfuhren die Gautinger im Stil einer Podiumsdiskussion, dass Alissa Walser bereits als Kind immer wieder auf Mesmer traf, denn er stammte aus derselben Gegend, in der sie aufwuchs: dem Bodenseeraum. „Es gab immer wieder örtliche Übereinstimmungen", berichtet sie, „als ich nach Wien zum Malereistudium ging, beispielsweise, dort hatte er als Arzt gewirkt und ich hörte zum ersten Mal von seinem Heilungsversuch an der blinden Pianistin Maria Theresia Paradis". Genau diese Geschichte wird das Thema ihres Romans. Doch zuvor begegnet Alissa Walser dem Arzt ein weiteres Mal, und zwar in Gestalt eines Begriffes, der im englischen Sprachraum allgegenwärtig ist. Es war in New York, wo Alissa Walsers Bilder von einem Professor begutachtet wurden, der ihr erklärte: „The pictures are mesmerizing". Die Bilder seien faszinierend, so die deutsche Übersetzung der Vokabel „to mesmerize", die auf den Namen des Wunderarztes anspielt.
Spätestens zu diesem Zeitpunkt begann die Autorin, sich einen Zettelkasten anzulegen mit Motiven, Geschichten und Fakten zu Mesmer. Dennoch ist „Am Anfang war die Nacht Musik" kein historischer Roman. „Ich finde in diesem Stoff meine eigenen Themen wieder", sagt sie auf Nachfrage der Lektorin, „die Beziehung zwischen Männern und Frauen, die Beziehung der Menschen zu ihrem Körper. Der Maßstab für mein Schreiben ist mein heutiger Blick".
Zum Schreiben selber sei sie eigentlich über das Zeichnen gekommen, verrät Walser. Das geschah in einer Phase ihres künstlerischen Schaffens, als die von ihr bis dahin bevorzugten großen Formate keine Reibungsfläche mehr boten und sie sich auf das Zeichnen mit Filzstift verlegte. Es entstand sehr viel Figürliches, das sich wiederum zu Geschichten verband. „Okay, dachte ich, diese Geschichten kann ich eigentlich auch aufschreiben." Die Suche nach dem bildnerischen Ausdruck findet sich übrigens dennoch im neuen Roman, und zwar auf dem Umschlag: das Bildmotiv des Titels, eine Glasharmonika, hat Alissa Walser selber geschaffen.
SABINE ZAPLIN/SZ

 

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